Beschwerden der Achillessehne
Beschwerden im Bereich der Achillessehne gehören zu sehr häufig auftretenden Schmerzbeschwerden im sowohl im Spitzensport, als auch im Breitensport und normalem Alltagsbereich. Oft wird dann von Seiten des behandelnden Arztes eine Achillodynie festgestellt. Jedoch beschreibt dieser Begriff lediglich einen Schmerz-zustand unbekannter Ursache irgendwo im Bereich der Achillessehne. Für eine genau auf die Ursache der Schmerzen bezogene differenzierte Therapie reicht diese Sammeldiagnose nicht aus, und so sollte stets eine exakte Diagnostik und Analyse der Beschwerden bezogen auf die unterschiedlichen Abschnitte der Achillessehne durchgeführt werden.
Ursache der Schädigung
Zu einer Überlastung und somit auch Schädigung der Achillessehne kommt es immer dann, wenn die Belastungsintensität zu hoch ist oder die Belastbarkeit der Achillessehne eingeschränkt ist, was auf Stoffwechselstörungen, chronische Infekte oder Entzündungen, Fußfehlstellungen und funktionelle Defizite der Muskel-, Sehnen-, und Gelenkstrukturen des Fußes zurückzuführen ist. Auch schlechte Sportschuhe haben einen großen Einfluß auf die Art der Achillessehnenbelastung da dies zu Zwangsbewegungen v.a. des Rückfußes im Schuh und somit zu Entzündungen und Reizzuständen der Schleimbeutel und der Gleitschichten führen kann.
Diagnose
Zur Diagnose einer Schädigung der Achillessehne spielen insbesondere die Anamnese und klinische Untersuchung eine entscheidende Rolle. Neben der Inspektion und dem Tastbefund sollte immer auch die Funktion, d.h. die Länge und Kontinuität der Achillessehne untersucht werden. Auch bei gerissener Achillessehne können die intakten innenseits und außenseits des Sprunggelenkes verlaufenden Sehnen noch eine Restfunktion vortäuschen, was den Wadenkneiftest (Thomsen-Test) häufig falsch negativ ausfallen lässt. Sinn und Zweck der bildgebenden Diagnostik ist es die klinische Verdachtsdiagnose zu bestätigen. Neben der statischen und dynamischen Ultra-schalluntersuchung ist die Kernspintomographie das aussagekräftigste bildgebende Verfahren. Mit ihrer Hilfe kann die Qualität des Sehnengewebes und das exakte Ausmaß der Verletzung (Entzündung der Sehne, Teilriss, vollständiger Riss, Zwei-Etagenruptur und der Abstand der Sehnenenden zueinander) diagnostiziert werden.
Differentialdiagnosen der Achillodynie
Die Achillodynie läßt sich zunächst in Beschwerden im Bereich des Achillessehnenansatzes am Fersenbein oder der Sehne selbst unterteilen.
Beschwerden im Bereich des knöchernen Ansatzes der Achillessehne:
- Oberer Fersensporn
- Haglundexostose
- Schleimbeutelenzündungen
- Stressfrakturen des Fersenbeins
Beschwerden der Achillessehne:
- Enzündungen der Sehnenscheide und/oder der Sehne selbst
- Teilriss der Achillessehne
- Vollständiger frischer Riß der Achillessehne
- Veraltete Achillessehnenruptur
Akute Achillessehnenruptur
Beschwerden
Bei einem frischen Riss der Achillessehne, z.B. bei sportlicher Betätigung, kommt es typischerweise zu einem Peitschenknall-Phänomen. Des Weiteren werden häufig neben Schmerzen und einer lokalen Schwellung in diesem Bereich auch ein Kraft- und Mobilitätsverlust beschrieben. Da jedoch in einigen Fällen ein leichtes Abheben der Ferse beim Gehen möglich bleibt und der Fuß mit Hilfe der intakten Hilfsbeuger bewegt werden kann, werden auch heute noch frische Rupturen gelegentlich übersehen, insbesondere da viele Patienten nach dem initialen Ereignis schmerzarm oder sogar schmerzfrei sind
Behandlung
Das Ziel sollte immer die funktionelle Therapie sein. Bei der konservativ-funktionellen Therapie wird der Fuß über einen Zeitraum von 6–12 Wochen durch einen Spezialschuh in einer Spitzfußstellung gehalten. Diese Art der Therapie setzt jedoch ein Hohes Maß an Mitarbeit von Seiten des Patienten voraus.
Ein konservatives Vorgehen sollte ausschließlich sportlich nicht (mehr) aktiven Personen oder Patienten vorbehalten bleiben, bei denen das Operationsrisiko zu groß ist oder die aus anderen Gründen keinen Anspruch auf eine funktionell vollständig intakte Achillessehne haben.
Bei allen Anderen ist die operative Sanierung die Methode der Wahl, bei der eine anatomische Rekonstruktion angestrebt werden sollte. Sollte bei bereits veralteten Achillessehnenrissen eine konservative Therapie keinen Erfolg zeigen, besteht bei bestehenden Beschwerden oder gravierenden funktionellen Einschränkungen die Möglichkeit einer operativen Therapie.
Nachbehandlung
Im Rahmen der funktionellen Nachbehandlung erfolgt neben Physiotherapie zunächst eine kurzzeitige Ruhigstellung mit dorsaler Unterschenkelgipsschiene in Spitz-fußstellung und Entlastung durch Unterarmgehstützen. Nach erfolgter Wundheilung kann die Belastung bis hin zur Vollbelastung im Achillessehnen-Walker erreicht werden. Ab der 6. postoperativen Woche werden Kräftigungs- und Koordinations-übungen im Rahmen einer Erweiterten Ambulanten Physiotherapie (EAP) durchgeführt.
Chronische Achillessehnenruptur
Es gibt verschiedene Gründe für chronische bzw. veraltete Achillessehnenrupturen, wie z.B. erneute Risse oder funktionelle Insuffizienzen der Achillessehne nach bereits erfolgter primärer operativer oder konservativer Behandlung und veraltete nicht diagnostizierte Risse. Grund für eine Ausdünnung, bzw. Verlängerung operierter oder konservativ behandelter Achillessehne können zu aggressive Nach-behandlungen sein.
Beschwerden
Die Patienten klagen gehäuft über eine Funktionseinbusse und Krafteinbuße bei Beugung des Fußes im Sprunggelenk, bzw. beim Abheben der Ferse beim Gehen oder dem einbeinigem Zehenspitzenstand, einem Instabilitätsgefühl des Rückfusses sowie Schmerzen im Bereich der Achillessehne. Häufig kann eine Delle im Sehnenverlauf getastet werden.
Behandlung
Die operative Behandlung ist hier die Therapie der Wahl. Das primäre Ziel der verschiedenen Operationstechniken muss die Rekonstruktion der ursprünglichen Länge der Achillessehne und somit ihrer Funktion sein. Zum einen kann dies durch Sehnen-transplantate oder eine Umkehrplastik aus achillessehneneigenem Material, das aus den oberen Sehnenanteilen gewonnen wird, erzielt werden.
Nachbehandlung
Im Rahmen der funktionellen Nachbehandlung erfolgt neben Physiotherapie zunächst eine kurzzeitige Ruhigstellung mit dorsaler Unterschenkelgipsschiene in Spitz-fußstellung und Entlastung durch Unterarmgehstützen. Nach erfolgter Wundheilung kann die Belastung bis hin zur Vollbelastung im Achillessehnen-Walker erreicht werden. Ab der 6. postoperativen Woche werden Kräftigungs- und Koordinations-übungen im Rahmen einer Erweiterten Ambulanten Physiotherapie (EAP) durchgeführt.